Adolf Trendelenburg on an Early Writing by Hermann Cohen

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Abstract

Friedrich Adolf Trendelenburg (1802-1872) wrote a testimony in 1865 for a student prize essay by Hermann Cohen (1842-1918), who later became the founder of the Marburg School in philosophy. The topic was: “How philosophers have defined and executed chance and the accidental.” The prize essay, framed by a motto from Kant’s Critique of Pure Reason, was written in the first half of 1865 in Berlin. It has been lost but served as the basis for Cohen’s dissertation, with which he received his doctorate in Halle in the autumn of the same year. However, there he confines himself to a specific area of his subject: antiquity. Trendelenburg’s testimony is the only source on Cohen’s much broader studies regarding the question of chance. It reports significant discussions, e.g., on Democritus, Spinoza, and Kant’s fourth antinomy.

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Friedrich Adolf Trendelenburg (1802–1872), seit 1837 ordentlicher Professor für Philosophie und Pädagogik an der Universität Berlin, war eine einflussreiche Persönlichkeit. Zu seinen Hörern ge­hörte für kurze Zeit auch Hermann Cohen (1842–1918). Dieser war nach Studien am Breslauer Rab­binerseminar und der dortigen Universität nach Berlin gekommen, wo er sich am 18. Oktober 1864 immatrikulierte [1. S. 26]. Neben manch anderem hörte Cohen bei Trendelenburg im Sommer­semester 1865 Naturrecht und machte „philosophische Übungen“. Er studierte u.a. „nachkantische Philo­sophie“ und hörte bei Karl Werder ein „hegelsch“ geprägtes „Kolleg über Logik und Metaphy­sik“1 [2. S. 40].

Zur selben Zeit bereitete er seine Promotion vor. Zwar wurde Cohen im Herbst 1865 extern in Halle promoviert, was damals nicht selten war, aber die Dissertation, die er dort am 3. August 1865 einreichte, verfasste er in Berlin: Philosophorum de Antinomia Necessitatis et Contingentiae Doc­trinae [Lehren der Philosophen über die Antinomie von Notwendigkeit und Zufälligkeit] [3].2 Der Doktorarbeit lag eine studentische Preisschrift zugrunde. Deren Text ist nicht erhalten, wohl aber das Gutachten Trendelenburgs.

Am 3. August 1864, Geburtstag Friedrich Wilhelms III., unter dessen Regentschaft die Universi­tät Berlin 1809 gegründet worden war, stellten die Philosophen folgende, binnen Jahresfrist zu bear­beitende Aufgabe: „Casum et contingens quomodo philosophi definiverint et expediverint, doceatur, comparetur, examinetur. Inter alios conferantur Aristotelis phys. II, 1 sqq. Epicurea, Cicero de fato, Spinozae cogitata metaphysica c. 3., ethic. I, 29. II, 31. II, 44. Kantii critic. intellectus puri loci non­nulli“ [„Es soll dargestellt, verglichen und beurteilt werden, wie die Philosophen den Zufall und das Zustoßende bestimmt und ausgeführt haben. Unter anderem sind heranzuziehen: Aristoteles, Physik II. 1 ff.; Epikureische Schriften; Cicero, Über das Schicksal; Spinoza, Metaphysische Gedanken, Kap. 3. Ethik I 29, II 31 und 44; einige Stellen aus Kants ‚Kritik der reinen Vernunft‘“].3 Man hatte die Aufgabe bereits im Vorjahr gestellt, ohne dass sich ein Bearbeiter fand. Für 1864/65 erweitert man sie um die Quellenangabe „Cicero de fato“.4 Die Sprache der Bearbeitungen war La­tein.

Bis zum Stichtag am 4. Mai 1865 reichten vier Kandidaten ihre Texte ein, unter ihnen Hermann Cohen. Jede Arbeit stand unter einem eigenen Motto. Durch dessen Nennung konnte die Beurtei­lung anonym und damit persönlich weitgehend neutral stattfinden. Cohens Name erscheint also nicht in den erhaltenen Unterlagen, aber sowohl das fakultätsinterne Gutachten Trendelenburgs als auch dessen publizierte Kurzfassung, die Cohen später in einem Brief zitierte, erlauben eine eindeu­tige Zuschreibung. Sein Motto stammte aus der Kritik der reinen Vernunft: „Ist aber, eurer Meinung nach, alles was zur Welt (es sei als bedingt oder als Bedingung) gehört, zufällig: so ist jede euch ge­gebene Existenz vor euren Begriff zu klein. Denn sie nöthigt euch, euch noch immer nach einer an­deren Existenz umzusehen, von der sie abhängig ist“ [4. S. 489; 5. S. 517].5 Die am 5. Mai durch den Dekan Alexander Braun erstellte Liste aller vier Arbeiten nennt dieses Motto als erstes. Am Ende folgt das Ersuchen an Trendelenburg, „die Beurtheilung der genannten, hier beifolgenden Arbeiten gefälligst übernehmen zu wollen“6.

Zwei Monate später, unterzeichnet mit „Berlin, 1 Juli 1865“, liegt das handschriftliche Gutach­ten vor.7 Die Reihenfolge in der Behandlung der vier Arbeiten entspricht diesmal ihrer aufsteigen­den Bewertung. Cohens umfangreiche Schrift — 196 Seiten im Quart-, d.h. etwa im heutigen DIN A 4-Format8 — ist die dritte, also die nach Trendelenburgs Meinung zweitbeste. Seine Ausfüh­rungen dazu umfassen zwei dicht beschriebene Seiten. Die Lektüre lohnt sich. Ich nenne nur einiges Wenige.

Erstens ist das Gutachten die einzige Quelle zum Inhalt der Preisschrift und zur Art und Qualität von Cohens Durchführung.

Zweitens wird Cohens Erörterung des Demokrit gelobt. Trendelenburg zitiert ihn mit einem Fragment über den Zufall und deutet auf Cohens teleologische Interpretation hin, die unmittelbar in die spätere Dissertation eingegangen zu sein scheint.9 In dem Zusammenhang steht dort auch das für Cohen zeitlebens grundlegende Demokrit-Zitat: μὴ μᾶλλον τὸ δὲν εἶναι ἢ τὸ μηδὲν [„Das Ichts existiert nicht mehr als das Nichts“] [3. S. 17] (griech.), [3. S. 61] (dt.).10

Drittens findet sich in Trendelenburgs Referat erstmals der sprachliche Vergleich zwischen grie­chisch „Idee“, lateinisch „visus“ und biblisch-deutsch „Gesicht“, den Cohen bis ins hohe Alter bei­behalten hat.

Viertens enthält es, da die Preisschrift als Grundlage für die Dissertation diente, Hinweise auf deren unbekannten zweiten Teil. Der allein bekannte Dissertationsdruck wird auf dem Titelblatt als „Teil I“ bezeichnet und trägt am Ende den Vermerk: „Was ich sonst noch bei der Wohllöblichen Philosophischen Fakultät eingereicht habe, konnte ich hier nicht drucken lassen“ [3. S. 88] (dt.) [3. S. 37] (lat.). Dort wollte Cohen u.a. einiges zu „Spinozas Lehre“ ausführen, die sich auf die Eleaten „zu­rückführen“ lasse.11 In der gedruckten Fassung blieb nur die ungewöhnliche vierte Abschlussthese: „Spinoza hat die menschliche Freiheit in keiner Weise aufgehoben“.12 Trendelenburg referiert zu­mindest einige weitere Details. Bemerkenswert scheint z.B. die These, „als hätte Spinoza nur Ein Attribut, das Attribut des Denkens, annehmen müssen, dann wäre er, meint der Vf., was er hätte sein müssen, Idealist gewesen“ (Trendelenburg zu S. 100 der Preisschrift).

Und fünftens deutet das Gutachten einiges zu Cohens Behandlung von Kants vierter Antinomie aus der Kritik der reinen Vernunft an. Es ist der Widerstreit zwischen der Erfordernis eines schlechthin notwendigen Wesens für den Begriff der Welt einerseits und der ebenso schlüssigen Widerlegung eines solchen Wesens anderseits. Mit dem Zufallsproblem hat das deshalb zu tun, weil man zur Begründung der Nicht-Existenz „die Zufälligkeit alles dessen, was in der Zeitreihe be­stimmt ist, in Betrachtung“ ziehen wird [4. S. 460; 5. S. 488].13

Das Gutachten

Trendelenburgs handschriftliche Bewertung der 4 eingereichten Preisschriften umfasst sechs Seiten (Bl. 312v–315r) und ist unterzeichnet mit „Berlin, 1 Juli 1865“. Zu Cohens Schrift heißt es (Bl. 313v–314r):14

„Die dritte Schrift C15 hat das Motto aus Kant gewählt: ‚Ist aber, eurer Meinung nach, alles was zur Welt gehört, es sei als bedingt oder als Bedingung, zufällig usw.[‘] 196 Seiten in 4.16 Es ist schwer, über sie ein genügendes Urtheil zu fällen, und sie ist selbst daran schuld. Beim ersten Durchlesen hat man von dem Vf. den Eindruck eines jugendlich luxurierend in abschweifenden Gedanken sich ergehenden Kopfes. Die ersten 19 Seiten verliert er, dem abgegrenzten Thema gegenüber, an lauter fremden Dingen, an Betrachtungen über Zusammenhang von Philosophie und Religion und Mysterien, von Imagination und Denken (wobei unverständlich ist, welchen Aufschluß er von der Nervenphysiologie erwarte, S. 8 ff., doch schwerlich für seinen Vorwurf), von orientalischer und griechischer Denkweise. Auch mitten im Lauf der Untersuchung legt er allgemeine Ideen ein. Nicht ohne Begeisterung spricht er von griechischer Kunst (S. 26 ff.), so­dann äußert er sich über Griechenlands Verfall in der Zeit nach Aristoteles (S. 66 ff.), über das Zusammentreffen großer Dichter und großer Philosophen in Einer und derselben Zeit, z.B. des Spinoza u. Shakspear’s (?! S. 79 ff.) u.s.w. Überhaupt beschränkt er sich auch b[ei] d[er] Be­sprechung der Systeme nicht gern auf seine Aufgabe u. ist mit dem, was er will, nicht immer verständlich. Indessen bei wiederholter Prüfung findet man bei ihm mehr, auf jeden Fall Fleiß u. Interesse u. eine gewisse Einsicht in die Probleme.

Der Vf. hat sich von vorn herein das Thema verschoben. Indem er nicht die einfache Aufgabe gewähren läßt, zu sehen, wie der Zufall von der Philosophie definirt u. darnach erklärt werde, nimmt er von Anfang an die Vorstellung einer Antinomie, wie sie wol bei Kant erscheint, zum leitenden Faden, ohne doch selbst diese Antinomie, wie es bei einer solchen Umsetzung schon an der Schwelle nöthig gewesen wäre, klar zu bestimmen oder scharf auszudrücken. Bei Kant wird die Antinomie von einem an sich nothwendigen Wesen, dem Unbedingten an der Spitze der Causalreihe, und der durchweg bedingten u. insofern zufälligen Causalreihe der Welt, oder nach einer andern Seite die Antinomie zwischen Nothwendigkeit und Freiheit behandelt. Wenn dies dem Vf. bei seinem beständig wiederholten Worte der Antinomie vorschwebt, so congruirt das nicht ganz mit der Aufgabe, gleichsam eine philosophische Geschichte des Begriffs des Zu­falls zu geben. Wo hiernach die Nothwendigkeit bei den Philosophen vorkommt als das eine Glied der Antinomie[,] macht er Halt, wie z.B. bei Heraklit, bei den Pythagoreern, wenn sie auch vom Zufall nichts sagen. Ueber Anaxagoras, Demokrit, die Sophisten hat er sich gut geäu­ßert. Bei Empedokles übersieht er eine merkwürdige Stelle (A[ristoteles] phys. II 4 p. 196 a 20, vgl. II 8 p. 198 b 29), wie aus Zufall das Zweckmäßige in der Bildung solle entstanden sein, ob­gleich das c. C[apitel] der Physik in der Aufgabe mit citirt war, eine Ansicht, die zum Theil Linne[?], wiederholt u. ein naives Vorspiel von Darwin’s Theorie ist. Aus Demokrit entlehnt der Vf. ein Fragment, das von dem handelt, was die Menschen im gemeinen Leben Glück nen­nen; er versteht es vom Zufall überhaupt z.B. auch in der Natur, was nach den in dem Zusam­menhang folgenden | Worten nicht angeht u. macht an verschiedenen Stellen der Abhandlung viel daraus (τύχης … ἀβουλίης πρόφασιν).17 Was der Vf. behauptet, ja noch, wenn er sagt, daß Demokrit schon die Zwecke in der Natur untersucht habe18 Was der Vf. über Sokr. sagt, ist ungenau, und für das Thema hätte aus Xenophon Charakteristischeres beigebracht wer­den können. Mit Liebe spricht er von Plato. Die Idee heißt ihm Visio, Gesicht im biblischen Sinne — u. er bezeichnet in ihr die Vision der Einheit von Nothwendigem u. Zufälligem. Auf das Allgemeine gerichtet übersieht er eine Stelle im Timäus des Plato, welche für den Begriff des Zufalls erheblich ist. Der Versuch eines Uebergangs von der platonischen Idee zum Aristo­teles ist wenigstens, wie der Vf. ihn macht, nicht aristotelisch (S. 55). Aber es ist nicht unrich­tig, was der Vf. sagt, im Aristoteles stecke Plato, aber deutlicher als Plato selbst. Kleinere Miß­verständnisse abgerechnet hat der Vf. die von Aristoteles in der Physik gegebene Erklärung des Zufälligen richtig aufgefaßt, aber nicht in ihren Theilen erörtert und ausgeführt. Ebenso hätte die betreffende Stelle d. [–] 9 mehr herangezogen werden müssen. Bei den Stoikern hat der Vf. die dem Diodorus Kronus entnommene Dialektik über das Mögliche nicht berührt, überhaupt auf Cicero de fato, welcher doch in der Aufgabe (wenigstens bei der Erneuerung, 1864) aus­drücklich mitcitirt u. [–] vom Vf. auf dem Titel seiner Abhandlung mit aufgeführt wurde, keine Rücksicht genommen. Spinoza ist im Ganzen richtig aufgefaßt. Der Vf. hebt sein Verdienst um die Psychologie hervor. Von Spinoza’s Richtung auf Bestimmtheit gefaßt schreibt der Vf. ge­gen das Ende der Abhandlung bestimmter u. weniger überfließend. Vielleicht nahm ihn auch die knapper werdende Zeit in Zucht; aber sichtbar schreibt sich der Vf. mehr u. mehr hinein. Es ist nicht klar, wie der Vf. den Spinoza widerlege u. in der Consequenz so auffasse (S. 100), als hätte Spinoza nur Ein Attribut, das Attribut des Denkens, annehmen müssen, dann wäre er, meint der Vf., was er hätte sein müssen, Idealist gewesen. Beim Uebergang von Spinoza zu Kant wird Locke’s erwähnt, der in etwas[?] von Spinoza abhängig sein soll (?). Der Vf. nimmt zuerst in Spinoza seinen Standpunkt (S. 109 110), aber zeigt (S. 120) in einer Vergleichung von Spinoza und Kant die umfassendere Ausrichtung[?] des letzteren, u. hält durch Kant die Anti­nomie, von der er immer spricht, von der subjectiven Seite [für] gelöst, insbesondere durch eine von ihm (S. 135 f.) aus der Zweckbetrachtung in der Kritik der Urtheilskraft entnommene [sic] Stelle, welche Lösung er aber nicht zu genügender Klarheit bringt. Sonst hat er Kant, von dem er die Grundzüge im Zusammenhang angiebt, richtig verstanden. — Des Vf. Latein ist verständ­lich, aber sehr deutsch gedacht; die Kunst die Begriffe für den philosophischen Ausdruck zu zerlegen versteht er nicht, aber das Feld der Geschichte brauchte er darum doch nicht auszu­drücken [– –]. Manches ist incorrect z.B. [– – –], die durchgängige Schreibung systhema. — Aus Obigem mag erhellen, daß die Arbeit zwar Gutes enthält, aber umwachsen von unbestimmten und nicht immer zur Reife gediehenen Gedanken.“

***

Diesem fakultätsinternen Gutachten folgt eine publizierte lateinische Kurzfassung:

„Tertia commentatio, quae Kantii verba prae se fert: ‚Ist aber euerer Meinung nach Alles, was zur Welt gehört (es sei als bedingt oder als Bedingung) zufällig’ et quae sequuntur, multa habet quae laudes, praesertim in iis, quae de Spinoza et Kantio pressius et curiosius quam de aliorum doctrina exposita sunt. At vero multa admixta, quae a re plena aliena sunt, velut de religione et mysteriis, de Graecorum arte, de poetarum et philosophorum cognatione. Propositae quaestioni, quae siccior est, quasi sublimior de antinomia quadam necessitatis et contingentiae, quam Kan­tius litem composuisse censetur, fere substituta est. Auctor si id egerit, ut ingeniose luxuriari, quod iuvenem non dedecet, dediscat, subtilius ad rem propositam intentus: ingenuo quo est phi­losophandi amore vulgaria spernet, edet autem maturiora. Hodie metam ad quam adspirabat non tetigit.“19

[„Die dritte Bearbeitung, unter dem Kantischen Motto: ‚Ist aber euerer Meinung nach Alles, was zur Welt gehört (es sei als bedingt oder als Bedingung) zufällig’ usw., enthält viel Löbli­ches, zumal in dem, was über Spinoza und Kant genauer und sorgfältiger als in Bezug auf die Lehren der anderen dargelegt wird. Jedoch vermischt sie damit vieles völlig Sachfremde, etwa über Religion und Mysterien, griechische Kunst, Verwandtschaft zwischen Dichtern und Philo­sophen. Das eher schlicht gefasste Thema wird nahezu ersetzt durch das anspruchsvollere der Antinomie zwischen Notwendigkeit und Zufälligkeit, welchen Widerstreit, so wird be­hauptet, Kant geschlichtet habe. Sobald der Autor das geistreiche Schwelgen, welches dem Jüngling nicht übel ansteht, abgelegt und sich präziser auf die vorhabende Sache konzentriert hat, wird er aus natürlicher Liebe zum Philosophieren das Gewöhnliche verschmähen und statt­dessen Ausgereiftes zustande bringen. Gegenwärtig hat er das angestrebte Ziel nicht erreicht.“]

Den Preis erhält Cohen also nicht.20 Trotzdem freut er sich über das Lob. Am 8. November 1865 be­richtet er seinem Freund Hermann Lewandowsky über das „judicium von Trendelenburg“: „Es ist sehr anerkennend: ‚multa habet quas [sic] laudet’, ‚ingenuo quo est philosophandi amore vulgaria spernet, edet autem maturiora‘“ [‚enthält viel Löbliches‘, ‚wird er aus natürlicher Liebe zum Philo­sophieren das Gewöhnliche verschmähen und stattdessen Ausgereiftes zustande bringen‘]“ [9. S. 19]. Trendelenburgs Kritik bleibt unerwähnt.21

 

1 Cohen. Habilitationsakte, Universitäts-Archiv Marburg. Signatur: UniA 307d, Nr. 110, Bd. 1, Bl. 301r/v.

2 Zum Promotionsverfahren vgl. [3. S. XV–XVII, XIX f.] — Eine interessante zweite deutsche Übersetzung von 1930 aus der Feder eines japanischen Forschers befindet sich in Kyoto: Univ. Library, Classification LCC:BD411, Local CLS 134.832.

3 Iudicia de certamine litterario ab Universitate Friderica Guilema Berolinensi in annum MDC­CCLXIV, indicto […] D. III, M. Aug. A. MDCCCLXIV. […] ac novae quaestiones in an­num MDCCCLXV. […] promulgatae. Berlin: Akademie-Verlag; 1864. S. 9. Vgl. die Akten an der Humboldt-Universität Berlin (Universitätsarchiv der Humboldt-Universität Berlin (HU UA), Signatur: Phil.Fak.01, Nr. 1504, Bl. 304–315, hier: Bl. 310). — Ich danke für die Publikationsgenehmigung (Dr. Aleksandra Pawliczek, 24.10.2022).

4 Vgl. zur Wiederholung das Sitzungsprotokoll vom 18.7.1864 (Universitätsarchiv der Humboldt-Universität Berlin (HU UA), Signatur: Phil.Fak.01, Nr. 1504, Bl. 307r).

5 Ulrich Sieg [6. S. 466 f.] schreibt Cohen versehentlich das falsche Motto und daher, weil Trendelenburg nur die Motti zitiert, das falsche Gutachten zu. Ich danke Prof. Sieg für einen kurzen klärenden Austausch hierüber.

6 Universitätsarchiv der Humboldt-Universität Berlin (HU UA), Signatur: Phil.Fak.01, Nr. 1504,
Bl. 312r.

7 Universitätsarchiv der Humboldt-Universität Berlin (HU UA), Signatur: Phil.Fak.01, Nr. 1504, Bl. 312v–315r; zu Cohens Arbeit Bl. 313v–314r.

8 Meine frühere Vermutung über den geringeren Umfang dieser studentischen Preisschrift [3. S. XX] ist zu revidieren.

9 Vgl. [3. S. 17–19] (lat.), [3. S. 61–63] (dt.).

10 Vgl. etwa Cohens Logik [7. S. 85].

11 „In Spinozae doctrina exponenda, quae ad hanc [Eleaticum systema] referenda est“ [3. S. 12] (lat.), [3. S. 54] (dt.).

12 „Spinozam libertatem humanam nequaquam sustulisse“ [3. S. 39] (lat.), [3. S. 91] (dt.).

13 Die Antinomien waren wenige Jahre später ein umstrittenes Thema in Trendelenburgs Auseinandersetzung mit Kuno Fischer, für Cohen Anlass zu seiner ersten großen Kantarbeit, vgl. Cohen H. Zur Controverse zwischen Trendelenburg und Kuno Fischer (1871). In: Werke, Hildesheim: Olms; 1977 ff., Bd. 13 [noch nicht publiziert].

14 Editorische Zeichen: | Seitenwechsel im Original. [sic] Die voranstehende Schreibweise ist auffällig, aber nicht zwei­felhaft. [?] Das voranstehende Wort ist fraglich. [–] Das voranstehende Wort war nicht zu entziffern. [ ] Zusatz des Herausgebers. ¹ ² ³ Anmerkungen des Herausgebers.

15 Kein Kürzel für „Cohen“, sondern der dritte Buchstabe nach A und B für die beiden vorangehenden Beurteilungen an­derer Preisschriften.

16 „4“ bezeichnet das Papierformat „Quart“.

17 Vgl. Demokrit: Ἄνθρωποι τύχῃς εἴδωλον ἐπλάσαντο πρόφασιν ἰδίης ἀβουλίης (Übersetzung Diels-Kranz: „Die Men­schen haben sich vom Zufall ein Bild geformt zur Beschönigung ihrer eigenen Unberatenheit“ [8] (Fragment DK 68 B 119). — Trendelenburg zitiert verkürzt: „Zufall … zur Beschönigung der Unberatenheit“.

18 Kaum entzifferbarer, möglicherweise unfertiger Satz mit größerer Lücke danach.

19 Iudicia de certamine litterario ab Universitate Friderica Guilema Berolinensi in annum MDC–CCLXV, indicto […] D. III, M. Aug. A. MDCCCLXV. […] ac novae quaestiones in an-num MDCCCLXVI. […] promulgatae. Berlin: Akademie-Verlag; 1865. S. 7, vgl. auch Universitätsarchiv der Humboldt-Universität Berlin (HU UA), Signatur: Phil.Fak.01, Nr. 1504, Bl. 320]. Es ist die dritte der vier abgedruckten Beurteilungen.

20 Der Name des Preisträgers für 1865 war Hermann Heller (die vierte Preisschrift unter einem Aristoteles-Motto), vgl. Iudicia de certamine litterario ab Universitate Friderica Guilema Berolinensi in annum MDC–CCLXV, indicto […] D. III, M. Aug. A. MDCCCLXV. […] ac novae quaestiones in an-num MDCCCLXVI. […] promulgatae. Berlin: Akademie-Verlag; 1865. S. 7.

21 Auf eine unpublizierte Fassung dieses Aufsatzes hat sich bereits 2018 Frederick Beiser bezogen [10. S. 17 f.].

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Hartwig Wiedebach

Author for correspondence.
Email: wiedebach@posteo.de
PD Dr. phil., Independent Scholar Göppingen, Germany

References

  1. Orlik F. Hermann Cohen (1842-1918) [Ausstellungskatalog]. Marburg: Universitätsbibliothek; 1992.
  2. Kinkel W. Hermann Cohen. Stuttgart: Strecker und Schröder; 1924.
  3. Cohen H. Philosophorum de Antinomia Necessitatis et Contingentiae Doctrinae [Lehren der Philosophen über die Antinomie von Notwendigkeit und Zufälligkeit 1865]. In: Werke. Hildesheim: Olms; 1977 ff., Bd. 12, S. 1-39 (lateinisch)/41-91 (deutsch).
  4. Kant I. Kritik der reinen Vernunft. Riga: Hartknoch; 1781.
  5. Kant I. Kritik der reinen Vernunft. Riga: Hartknoch; 1787.
  6. Sieg U. Der frühe Hermann Cohen und die Völkerpsychologie. Aschkenas. 2003;13(2):461-483.
  7. Cohen H. Logik der reinen Erkenntnis (2. Auflage 1914). In: Werke. Hildesheim: Olms; 1977 ff., Bd. 6.
  8. Diels H, Kranz W, Hgg. Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch. 6. Auflage. Hildesheim: Olms; 1952.
  9. Cohen H. Briefe. Strauß B., Strauß B., editors. Berlin: Schocken; 1939.
  10. Beiser F. Hermann Cohen. An Intellectual Biography. Oxford: Oxford University Press; 2018.

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